Heated Takes
Geschätzte Leser*innen – ich bin etwas erhitzt wegen eines Themas, das meine Sozialen Medien seit Monaten flutet: Die kanadische Serie Heated Rivalry, die sich um schwule Eishockey-Spieler dreht. Ich habe ein paar hot (oder eben: heated) takes. Nun möchte ich niemandem die Freude daran verderben. Auch ich kann dem Anschmachten der Hauptdarsteller etwas abgewinnen, sind sie mit ihren gestählten Körpern doch wahrlich schön anzusehen und scheinen auch abseits des Sets ganz sympathisch. Und wer gerne Softpornos mit plumpem Plot und schlechten Dialogen mag, kommt bei der Serie natürlich vollends auf die Kosten. Aber eben: mehr als das ist die Serie nicht. Was mich stört, ist, wie versucht wird, mir überall im Internet zu erklären, wie facettenreich und gelungen Heated Rivalry sei. Da heisst es, die Serie sei ein leuchtendes Beispiel für Body Positivity. Dabei sehen alle Männer aus, als kämen sie gerade vom täglichen Dreistunden-Workout aus dem Gym und hätten eine halbe Geflügelfarm verspeist, um sich pralle Muskeln auf den fettfreien Körper zu packen. Meinetwegen sehen Profi-Sportler so aus. Doch selbst der Darsteller des Kunstgeschichte-Studenten (!) Kip hat einen Waschbrettbauch, auf dem man Spiegeleier braten könnte. Sollen die Fans der Serie diesen Herakliden ruhig nachgeifern, aber mit Body Positivity hat das nichts zu tun! Weiter heisst es, die Frauenfiguren seien allesamt starke, unabhängige Persönlichkeiten. Doch unabhängig sind sie höchstens deshalb, weil die Serie auch unabhängig von ihnen funktionieren würde. Sie sind farblos, inhaltsleer und austauschbar, existieren nur für die Männer. Was bei anderen Serien (zurecht!) kritisiert wird, muss man hier doch nicht glorifizieren, oder? Schliesslich wird die Darstellung schwuler Liebe und Sexualität gelobt, die angeblich so zärtlich, liebevoll und heilsam sei. Dabei sind die kraftstrotzenden Machos allzeit zum f#*%n bereit und können kaum über ihre verkorksten Gefühle reden. Gut, das mag ja auf gewisse schwule Exemplare zutreffen. Aber das alles zärtlich, liebevoll, heilsam zu finden, scheint mir dann doch ein mentaler Spagat zu sein.
Darum: Den Fans darf die Serie ruhig gefallen (über Geschmack lässt sich ja bekanntlich auch dann nicht streiten, wenn er schlecht ist). Aber herbeizufabulieren, dass die Serie ein intellektuell-aktivistisches Meisterwerk sei, das schwule Lebenswelten in einem noch nie dagewesen Licht zeige, nur um eine Ausrede für die eigene Guilty Pleasure zu haben, halte ich für unnötige Selbsttäuschung. Kommt hinzu, dass in der Handlung wieder einmal die ganz private Liebe zur Lösung aller Probleme wird. Die schwulen Supermänner existieren als freie Radikale ausserhalb der Community und ihr Leben wird endlich gut, sobald sie das individuelle Liebesglück gefunden haben. Dabei gäbe es doch so viel schönere Geschichten einer Schwulwerdung zu erzählen – zum Beispiel wie man in der Community eine Wahlfamilie findet –, als jene von den maskulinen Einzelkämpfern in Macho-Sportarten mit ihrer halbherzig unterdrückten Homosexualität.